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Der Einsatz im Juli 1934 in Kärnten

Vorgeschichte

Die Vorbereitungen für den Putsch waren in Kärnten bereits Mitte Juli mehr oder weniger abgeschlossen. So wurde am 15. Juli im Lavanttal eine "Waffensichtung" der SA-Kräfte durchgeführt[1] und ab 19. Juli galt "Führerbereitschaft". Die Befehlsausgabe der Putschisten soll am 21. Juli und die Alarmbereitschaft entweder am 23. Juli oder am 25. Juli angeordnet worden sein. Laut einer Literaturangabe wurde am 25. Juli um 1900 der Angriffsbefehl aus München gegeben[2].

25. Juli - der Beginn in Wien

Am 25. Juli 1934 begann der Nationalsozialistische Putsch in Wien mit dem Sturm auf das Bundeskanzleramt und die RAVAG, konnte jedoch relativ rasch niedergeschlagen werden. Dagegen setzten sich in der Steiermark die Kämpfe der illegalen Nationalsozialisten im Raum Phyrnpass, Ennstal und Ausseerland nach dem 25. Juli fort und begannen in Kärnten erst am 26. Juli mit der Besetzung nahezu des gesamten Lavanttales. Während der Kampf um den Phyrnpass und die Aktionen in den Gemeinden des Ennstales bereits relativ umfassend wissenschaftlich aufgearbeitet wurde, sind die Ereignisse im Ausseerland und dem Lavanttal bisher weniger publiziert worden. Eine erste differenziertere Aufarbeitung der Vorgänge in Kärnten erfolgte erst 2001 durch Kurt BAUER[3] und 2007 durch Christian KLÖSCH[4].

Der nationalsozialistische Putsch in den Bundesländern, vor allem in der Steiermark und in Kärnten wurde durch das Aviso der Radiomeldung aus Wien um ca. 13 Uhr [5] am 25. Juli ausgelöst, wobei die Überfälle der illegalen SA-Kräfte selbst jedoch meist weit später begannen.

26. Juli - der Beginn in Kärnten

Im Lavanttal, speziell in der Bezirksstadt WOLFSBERG (Angriffbeginn 1555[6]) aber auch in ST. VEIT a/d GLAN und FELDKIRCHEN begannen am 26. Juli rund 1.300 Illegale die Macht zu übernehmen. Bereits um 1600 waren die Städte des Lavanttales in der Hand der Putschisten. Während nach schweren Kämpfen am Phyrnpass, dem Ennstal und dem Ausseerland in der Steiermark der Putsch bis zum Abend des 26. Juli durch Kräfte des Bundesheeres - vor allem Alpenjäger aus LINZ - wenn auch mit eigenen Verlusten beendet werden konnten, begann in Kärnten erst die Absetzung von Bürgermeistern ("Gemeindeverwaltern"), dem Bezirkshauptmann von Wolfsberg und die Verhaftungen von Gendarmen und Heimatschutzangehörigen durch die Putschisten. Unterstützt wurden die Lavanttaler Putschisten auch durch geflüchtete steirische Nationalsozialisten welche nach dem Zusammenbruch des Putsches in ihrem Bundesland im Laufe des 26. Juli den direkten Weg nach Deutschland über die Berge nicht mehr einschlagen konnten und daher die zweite Fluchtroute über das Lavanttal und Jugoslawien nach Deutschland wählten. Gegen 1830 kam es im Süden von WOLFSBERG zu ersten Gefechten mit der aus VÖLKERMARKT anrückenden 1. Kompanie des Alpenjägerregiments 11, wobei der Kompaniekommandant Major Rudolf SMOLLE, der ihm helfende Sanitäter sowie zwei weitere Soldaten seiner Kompanie und zwei Heimatschützer des Schutzkorps fielen. Ein Leutnant übernahm das Kommando und mußte sich unter Mitnahme der Gefallenen über die Lavant zurückziehen.

Der 27. Juli - die Kopaljäger greifen ein

In den frühen Morgenstunden des 27. Juli begannen Bundesheereinheiten und Kampfgruppen sich von KLAGENFURT Richtung ST. VEIT a/d GLAN und WOLFSBERG vorzuarbeiten, während die Putschisten in der Nacht bereits das hintere Gurktal, das Metnitztal, das Görschitztal und das obere Lavanttal besetzt hatten. Gegen 0300 nachts wurde eine Kampfgruppe des Bundesheeres aus KLAGENFURT bei VÖLKERMARKT von rund 50 Putschisten überfallen und kostete die Aktion 2 Soldaten und 3 Aufständischen das Leben. Am 27. Juli kam es durch verschiedene besetzte Geländeteile, speziell am Griffner Berg, zu einer Pattsituation zwischen den Regierungskräften und den Putschisten.

Kurz nach Mitternacht am 27. Juli trat das niederösterreichische Kraftfahrjägerbataillon Kopal Nr. 3 unter Oberst BLEYER seinen Marsch aus STOCKERAU Richtung Kärnten an[7]. Es dürfte sich dabei allerdings nur um die bereits motorisierten Teile des Bataillons gehandelt haben, da in einer Arbeit von 197 Kraftfahrjägern ausgegangen wird. Über WIEN (wo nach einem Artikel die 6. Kompanie des Infanterieregiments Nr. 4 als Verstärkung aufgenommen wurde[8]), den SEMMERING, durch das Mur- und das MÜRZTAL erreichte das Bataillon am 27. Juli gegen 1600 den Obdacher Sattel, welcher so wie der Packsattel und der Griffener Berg von starken Aufständischen Kräften besetzt war. Nach einem kurzen Ultimatum des Kommandanten räumten die Putschisten den Obdacher Sattel kampflos und zogen sich vor den Kopaljägern zurück.

Jäger in Kampfausrüstung um 1934/35 - Copyright Sammlung Clemens ELLMAUTHALER, MA

Feldjäger in Kampfadjustierung um 1934/35, die ärarischen genagelten Schuhe sind allerdings im Tornister untergebracht, statt dessen trägt der Feldjäger Knobelbecher nach deutschem Muster- Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Gegen 1900 erreichte das Kraftfahrjägerbataillon Nr. 3 am 27. Juli WOLFSBERG, welches vor den herannahenden Kopaljägern ebenfalls bereits von den Putschisten geräumt worden war. Diese zogen sich nun Richtung Jugoslawien zurück, aus den noch von ihnen besetzten Orten am Weg ihre Kräfte aufsammelnd und bildeten ab ST. PAUL bereits eine 16 Lastkraftwagen (in manchen Publikationen wird von über 20 LKW geschrieben) lange Kolonne.

28. Juli - Zernierung der Reste des Putsches in RABENSTEIN

Ein letztes Mal bezogen die Nationalsozialisten bei RABENSTEIN Stellung auf österreichischem Staatsgebiet in einem kleinen, von Osten, Süden und Westen von der Staatsgrenze mit Jugoslawien umgebenen Ort. Am 28. Juli Vormittag fühlten sie sich stark genug in ihrer Position, um mit drei Lastwagen mit Maschinengewehren einen Überfall auf LAVAMÜND zu wagen um inhaftierte Genossen zu befreien. Erst gegen 11 Uhr erreichten die Kopaljäger an diesem Tag LAVAMÜND. Ab nun standen sich die Putschisten in RABENSTEIN und die Kopaljäger im 5 km entfernten LAVAMÜND, welches gleichzeitig die einzige Strasse auf österreichischem Staatsgebiet nach RABENSTEIN beherrscht, in einer Pattstellung gegenüber[9].

30. Juli - die Reste gehen über die Grenze

Bis 30. Juli hielten sich zwischen 300 und 400 Putschisten, aus Jugoslawien versorgt, noch in RABENSTEIN auf, da das Bundesheer aufgrund möglicher Grenzverletzungen den von Heimwehrführern geforderten Angriff ablehnte. Am Montag, den 30. Juli traten sie schliesslich geschlossen über die Grenze und wurden vorübergehend in jugoslawischen Sammellagern untergebracht, bevor sie nach Deutschland gelangten.

Obwohl bisher in der Literatur aufgrund des Grenzübertrittes die Dauer des Putschversuches in Kärnten mit 5 Tagen angegeben wird (gerechnet vom Beginn der Aktionen in WIEN), kann doch festgestellt werden, dass vom tatsächlichen Angriff der Nationalsozialisten auf WOLFSBERG am 26. Juli um 1600 bis zu ihrem Rückzug aufgrund der Annäherung der Kopaljäger und der Zernierung in RABENSTEIN am 28. Juli um 1100 tatsächlich der Aufstand in Kärnten nur knapp 43 Stunden dauerte.

Seeberg Kärnten, Rast am Sattel

Beschriftung des Bildes (rückseitig): "Seeberg Kärnten " - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Da der Seebergsattel westlich von Bad Vellach auf der B210 auch heute noch die Grenze zu Slowenien darstellt, dürfte das Foto dieser Rast in der Nähe der Grenze erst nach dem Grenzübertritt der Lavanttaler Putschisten bei RABENSTEIN am 30. Juli angefertigt worden sein. Dass der Eil-Motmarsch durch halb Österreich, die Verfolgung Flüchtenden durch halb Kärnten und natürlich auch die Bergfahrt über die Serpentinen zum Seebergsattel auch das Material belastete, zeigen die geöffneten Motorhauben der geländegängigen Austro-Daimler Mannschaftstransportwagen (ADG).

 

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