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Das Kopaldenkmal in ZNAIM

Das Kopal-Denkmal in ZNAIM im September 2012 von Süden (Studentská) aus gesehen. Foto WGE 2012
Das Kopal-Denkmal in ZNAIM im September 2012 von Süden (Studentská) aus gesehen. Koordinaten: 48°51'24.52"N - 16°03'08.66"E (UTM GRID: 33U WQ 77195 12072) - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Erster Entwurf 1849[1]

Nach den Ereignissen des Jahres 1848 und der publizistischen Aufarbeitung in den österreichischen Medien fanden sich in ZNAIM drei Bürger, Franz DOLEŽAL, Cassa Controlor, Wilhelm HASZFURTER, Oberförster der Stadt Znaim, und Franz PERNITZA, Cooperator in Lispitz, welche ein Denkmal beim Geburtsort KOPAL´s SCHIDROWITZ vor den Toren ZNAIMS an der Reichsstraße von WIEN nach PRAG errichten wollten.

Geplant war ein 4,74 Meter hoher Obelisk aus poliertem Granit, mit der Inschrift:

DEM HELDEN
VON ST. LUCIA UND VICENZA
KARL v. KOPAL,
K.K. OBERSTEN DES 10. FELD-JÄGER_BATAILLONS, RITTER DES MILITÄR
MARIA THERESIEN- UND DES ÖSTERREICHISCHEN LEOPOLD-ORDENS,
PATRICIER DER FREIEN STÄDTE FIUME UND BUCCARI.
GEBOREN ZU SCHIDROWITZ DEN 3. FEBRUAR 1788.
GESTORBEN AN DEN VOR DEM FEINDE ERHALTENEN WUNDEN ZU VICENZA
AM 17. JUNI 1848

Am 12. August 1849 erschien der erste Spendenaufruf mit der Beschreibung des geplanten Denkmals in der Brünner Landeszeitung und die Gemeinde SCHIDROWITZ stellte bereits ein Grundstück an der Reichsstraße für die Errichtung des Denkmals zur Verfügung.

Bis zum 13. Oktober 1849 waren bereits über 845 Gulden an Spenden eingetroffen und der Granitquader für das Denkmal wurde im Steinbruch STUDEIN in Mähren bestellt. Während im Herbst 1849 ein Stillstand bei den Spendeneingängen auftrat, fand sich ein weiterer Aktivist, der Wiener Bürger und Handelsmann Matthäus ELSINGER, welcher anlässlich eines Besuches seiner Vaterstadt ZNAIM mit dem bisherigen Komitee in Kontakt kam. Nach langen Überlegungen und ersten Erfolgen bei Spendenaufrufen in Wien entschloss er sich 1851 selbst dem Komitee beizutreten und der geplante Standort des Denkmals wurde auf Wunsch vieler Znaimer Bürger und mit Unterstützung der Stadt ZNAIM an den heutigen Standort verlegt.

Neuplanung 1851 am Standort ZNAIM[2]

Gestützt durch ein Schreiben des Feldmarschall Graf RADETZKY vom 11. Mai 1851, welches in Kopie den über 2.000 persönlich adressierten Bittschreiben beigelegt wurde, konnte so das Spendenkapital 1851 auf 10.094 Gulden erhöht werden und es schalteten sich verschiedenste künstlerische Größen wie die Architekten HANSEN und ERNST, die Professoren VAN DER NÜLL und RÖSNER sowie der Sektionsrat Paul SPRENGER in die Diskussion um die Ausgestaltung des Denkmals ein, wobei letzterer einen neuen Entwurf des nun monumentalen Denkmals gestaltete. Der bereits bestellte Granitblock wurde als zu klein erachtet und konnte noch rechtzeitig auf den heutigen Block umbestellt werden. Zur Kostenersparnis wurde für das Metall für die bereits entworfene Statue der NIKE des Anton FERNKORN beim Kaiser um die Überlassung von Metall erbeuteter piemontesischer Kanonen angesucht und mit allerhöchster Entschließung vom 27. November 1852 auch 12 Zentner bewilligt, welche später noch auf 17 Zentner[3] erhöht wurden.

Der Transport der insgesamt rund 56 Tonnen Granit vom Steinbruch STUDEIN bei SCHELLETAU in Mähren nach ZNAIM dauerte pro Fuhre mit 4 Paar Pferden und 3 Paar Ochsen als Zugtieren 3 Tage und schlussendlich konnte in ZNAIM mit der Fertigung des Denkmals durch den Steinmetzmeister Mathias NOVOTNY begonnen werden. Durch persönlichen Einsatz der Komiteemitglieder, vor allem ELSINGER´s bei den ausführenden Personen und Unternehmen in WIEN sowie DOLEŽAL´s bei den Bauarbeiten vor Ort in ZNAIM konnten massive Reduktionen der Kosten erreicht werden. So verrechnete Anton FERNKORN statt der veranschlagten 1.000 Gulden nur 600 Gulden für den Entwurf der NIKE-Statue und die fürstlich Salm'sche Eisen- und Bronzegießerei zu Wien verrechnete schlußendlich statt 3.500 Gulden nur 2.173 Gulden für die Ausführung.

Enthüllung des Denkmals am 16. Oktober 1853[4]

Denkmal und Wächterhäuschen in: STRACK J. Das Kopaldenkmal in ZNAIM
Darstellung der Situation in Znaim mit Denkmal und Wächterhäuschen rechts hinter dem Denkmal in: STRACK J., Das Kopal-Denkmal in Znaim und das k.k. 10. Feld-Jäger-Bataillon von der Errichtung bis zur fünfzigjährigen Jubelfeier, WIEN 1864 - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Am 16. Oktober 1853 wurde das Denkmal mit einem großen Fest enthüllt, wobei die Stadt ZNAIM abermals großzügig unterstützend zur Seite stand (in Summe übernahm die Stadt alleine für die Feierlichkeiten rund 6.000 Gulden). Neben Abordnungen des 10. und 21. Jägerbataillons, einem Ehrenbataillon des Infanterieregimentes ZANINI aus ZNAIM, Zöglingen der k.k. Genie-Akademie KLOSTERBRUCK und dem Znaimer bürgerlichen Scharfschützenkorps nahmen die Honoratioren Mährens und Znaims an der Enthüllungsfeierlichkeit teil.

Eine Widmungsurkunde wurde in der Erde versenkt und die Stadt ZNAIM übernahm urkundlich das Denkmal zur Pflege und Erhaltung. Zur Erinnerung wurden die » Gedenkmünzen und ein Gedicht eines berühmten österreichischen Dichters verteilt. Mit einem Festschießen und einem Ball endete der Tag der Enthüllung.

Das Kopal Denkmal in einer künstlerischen Darstellung. InvNr. 1973-15-BI35519, Bild HGM
Das Kopal Denkmal in einer künstlerischen Darstellung, wie es sich knapp nach 1853 gezeigt haben könnte, bevor die Stadt ZNAIM um den Kopalplatz herum erweitert wurde. Im Hintergrund ist das fürstlich Dietrichstein'sche Schlosse zu Nikolsburg dargestellt. Bild HGM Wien - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Das Denkmal hatte zum Zeitpunkt seiner Enthüllung eine Höhe inklusive der drei Originalstufen und der NIKE von 12 Metern, wobei der Obelisk selbst 7,6 Meter hoch ist.

Schicksal des Denkmals nach 1918

Nach dem 1. Weltkrieg und der Errichtung der Tschechischen Republik wurde aus dem Kopal-Denkmal nach Entfernung aller Inschriften und Schmuckelemente, welche an KOPAL und seine Erfolge erinnerten - ein undefiniertes Siegesdenkmal[5]. Die Inschriften selbst wurden großflächig auf die gesamte Höhe des Obelisken ausgeschlagen, wodurch das ehemals glattflächige und polierte Denkmal seinen heutigen Eindruck mit den halbkreisförmigen Reliefelementen an der Spitze und an der Basis und die rauhe Oberfläche der Seitenflächen erhielt. Einige wenige Bilddokumente aus dem Zeitraum der deutschen Besetzung ab Okotber 1938 zeigen jedoch wieder die Schmuckelemente am Obelisken, diese dürften daher erst nach 1945 wieder entfernt worden sein. Hauptsächlich wurde der Obelisk wohl wegen des künstlerischen Wertes der Nikestatue von Anton FERNKORN nicht gleich 1918 in nationalistischem Haß demoliert.

Das Kopal Denkmal zwischen 1945 und 2010 Richtung Altstadt gesehen - FOTO ca. 1950 Sammlung WGE 2012
Das Kopal Denkmal zwischen 1945 und 2010 als tschechisches Siegesdenkmal ohne Obeliskenschmuck (Ansichtskartenaufnahme vor 1950) - Ansicht Richtung Altstadt von Süden aus gesehen - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Der Zustand des Denkmals seit der Restaurierung 2010

2010 wurde der Platz rund um das Kopal-Denkmal neu gestaltet und auch das mittlerweile von der Witterung und den vielfachen "Umdeutungen" arg mitgenommene Denkmal einer umfassenden Restauration unterzogen. War auch vorerst geplant, das Denkmal völlig in den Originalzustand aus 1853 zurückzuversetzen, so regte sich noch 2010 erbittertster Wiederstand des Vereins der 1938[SIC!] aus dem Grenzland abgesiedelten tschechischen Bürger. Sie forderten die Wiederherstellung des Zustandes aus 1920 mit einer Erinnerung an die Opfer des ersten Weltkrieges und an die tschechische Legion. Schlußendlich konnte der damalige Bürgermeister NEZVEDA einen, dem Geschichtsverständnis des 21. Jahrhunderts und den Ewiggestrigen entsprechenden, Kompromiß vereinbaren[6]: die Originalverzierungen an den Seitenflächen des Obelisken wurden im Zuge der Restaurierung wieder angebracht, dafür wurden die deutschen Inschriften darunter nicht mehr wiederhergestellt und auch die Tafel mit dem Datum der Enthüllung an der Westseite des Denkmals wurde weggelassen, hier zeigt sich eine leichte Vertiefung im Format der Inschrift am unteren Granitsockel. Sehr unauffällig und leicht zu übersehen, wohl um die Gefühle der Nationalisten nicht zu sehr zu verletzen, wurden in die 3 neuen zusätzlichen Granitstufen am Sockel des Denkmals die tschechischen Übersetzungen der ehemaligen Inschriften in Metallstreifen eingelassen.

Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - von der Altstadt aus Westen aus gesehen, Foto WGE 2012
Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - Ansicht aus der Altstadt von Westen aus gesehen - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!
Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - NIKE-Statute von Anton FERNKORN, Westansicht; Foto WGE 2012 Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - NIKE-Statute von Anton FERNKORN, Ostansicht; Foto WGE 2012
Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - NIKE-Statute von Anton FERNKORN, links die Westansicht von vorne, rechts die Rückansicht von Osten - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!
Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - Westansicht mit Jägerbüchse und Bajonett; Foto WGE 2012 Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - Südansicht mit einem Signalhorn; Foto WGE 2012
Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - Die wieder angebrachten Rüstungs- und Ausrüstungsgegenstände der Jägertruppe, links die Westansicht mit Jägerbüchse und Bajonett, rechts die Südansicht mit einem Signalhorn- Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!
Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - Ostansicht mit Jägerhut mit Hahnenschweif; Foto WGE 2012 Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - Nordansicht mit einem Jägertornister; Foto WGE 2012
Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - Die wieder angebrachten Rüstungs- und Ausrüstungsgegenstände der Jägertruppe, links die Ostansicht mit Jägerhut aus 1848 mit Hahnenschweif, rechts die Nordansicht mit einem Jägertornister- Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!
Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - Schriftleiste im Boden - Westfront, Foto WGE 2012
Das Kopal Denkmal nach der Restaurierung 2010 - Die tschechischen Übersetzungen der ehemaligen Inschriften im Boden, hier die Aufschrift vor der Westfront - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Die Originalaufschriften aus 1853, welche sich unterhalb der Jägerausrüstung am Obelisken befanden und die heutigen tschechischen Texte in den Bodenleisten:

Westseite (Altstadtfront):
„Dem Helden von St. Lucia und Vicenza, Carl von Kopal“
HRDINOVI OD SANTA LUCIE A VICENZY, KARLU VON KOPALOVI

Südseite:
„K. K. Oberst des 10. Feld-Jäger-Bataillons, Ritter des Militär-Maria-Theresien- und des österreichischen Leopold-Ordens, Patricier zu Fiume und Buccari“
C.K. PLUKOVNÍKU 10. PRAPORU POLNÍCH MYSLIVCU, RYTÍRI VOJENSKEHO RÁDU MARIE TEREZIE A RAKOUSKÉHO LEOPOLDOVA RADU, PATRICIOVI RJEKY A BUKARU

Ostseite:
„Geboren zu Schidrowitz bei Znaim den 3. Februar 1788“
NAROZENÉMU 3. ÚNORA 1788 VE CTIDRUŽICÍCH U ZNOJMA

Nordseite:
„Gestorben an den vor dem Feinde erhaltenen Wunden, am 17. Juni 1848“
JENŽ PODLEHL ZRANENÍM OD NEPRÍTELE DNE 17. CERVNA 1848

Am Granitwürfel des Obelisken befand sich an der Westfront zur Altstadt die Aufschrift:
„Errichtet im Jahre 1853“ - diese Aufschrift ist heute nicht mehr angebracht und nur durch eine rauhe kasettenartige Stelle erkennbar.

 

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